Drei Bibliotheken unter einem Dach

Von der Geschichte und Entwicklung des Sonderfalls Gemeinde- und Schulbibliothek Maur

Normalerweise gibt es in einer Ortschaft nur eine öffentliche Bibliothek. In der Gemeinde Maur gibt es deren drei. Ein Sonderfall? Ja, aber einer, der sich seit Jahren bewährt hat.

Um es vorwegzunehmen: Die unter einem Dach stehende Gemeindebibliothek Maur, die sich aus drei Bibliotheken zusammensetzt, gibt es seit Mitte der 60er Jahre. Eine der drei Bibliotheken wurde 1965 im ehemaligen Schul- und Gemeindehaus an der Zürichstrasse in Maur eingerichtet. Sie hat ihren Standort bis heute beibehalten. So erinnert sich die in Uster lebende damalige Bibliothekarin Maja Hasler an die bescheidenen Anfänge: "Wir führten eine ganz kleine Kartei, besassen Bücher für Kinder und Erwachsene und die Ausleihe war zu Anfang für alle gratis."

Weit verzweigte Gemeinde Maur

Die Gemeinde Maur, die heute rund 8700 Einwohner zählt, setzt sich aus fünf Ortsteilen zusammen. Neben Maur, das der Politischen Gemeinde den Namen gab, sind dies Aesch, Ebmatingen, Binz und Uessikon. Die Ortsteile liegen zum Teil weit auseinander und sind untereinander nicht alle mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden. Schüler aus Aesch, die zum Beispiel nach der Schule schnell einmal ein Buch ausleihen möchten und sich dazu nach Maur begeben müssten, hätten mit einem beträchtlichen zeitlichen Aufwand zu rechnen, der ihnen wohl früher oder später die Lust, die Bibliothek regelmässig zu benützen, nehmen würde. Da es bereits in den 50er Jahren in der Gemeinde Maur viele kleine Leseratten gegeben haben soll, haben schon damals die Lehrer der verschiedenen Schulhäuser in ihren Schulstuben Bücherausleihen eingerichtet.

Die Anfänge reichen in die fünfziger Jahre

Wenn sich die Maurmerin Trudi Sallenbach an ihre Primarschulzeit zu Beginn der Fünfziger Jahre in Aesch erinnert und dabei auf die damalige schulinterne Bücherausleihe zu sprechen kommt, schwingt noch immer der leichte Ärger in ihrer Stimme mit. "Stundenlang mussten wir damals die Bücher mit braunem Packpapier einbinden", sagt sie. Aus dieser Zeit stammt wohl auch das ins neue Jahrtausend hinüber gerettete stark vergilbte Papier mit dem Titel "Zehn Gebote für die Bücherleser der Schülerbibliothek Aesch-Forch". Dort wird unteranderem den Bücherlesern nahegelgt, vor jedem Gebrauch des Buches die Hände zu waschen, die Bücher auf einen sauberen Tisch zu legen, immer oben umzublättern, die Finger nicht anzufeuchten und weder auf Plätzen noch Strassen zu lesen.

Wie aus einzelnen Puzzleteilen ein Ganzes wurde

Zu Beginn der 60er Jahre richtete Gustav Mugglin zusammen mit seiner Frau die Bibliothek im Schulhaus Leeacher in Ebmatingen ein. Für ihn sei es Wichtig gewesen, richtige Bibliotheken mit ordentlichen Bücherbeständen aufzubauen, erinnert sich Mugglin, der damals für die Pro Juventute tätig war. So setzte er sich in jenen Jahren für eine Gemeindebibliothek unter einem Dach ein. 1965 bewilligte die Gemeindeversammlung einen Kredit für die Einrichtung der Buchausgabestellen in Aesch, Ebmatingen und Maur. Gustav Mugglin wurde Präsident des neu gegründeten gemeinnützigen Vereins Gemeindebibliothek Maur, seine Frau übernahm die Leitung der Bibliothek Ebmatingen. Damit wurde der eigentliche Grundstein zu heutigen Gemeinde- und Schulbibliothek gelegt.

Erfreulicher Aufschwung in den siebziger Jahren

Das öffentliche Bibliothekswesen in der Schweiz hat in den 70er und 80er Jahren einen erfreulichen Aufschwung genommen. So auch in Maur. Was einst klein begann, drohte aus allen Nähten zu platzen, die Nachfrage nach Jugendbüchern und Erwachsenbelletristik stieg kontinuierlich. Hanni Schweizer, die von 1970 bis 1995 die Bibliothek in Maur führte, erinnert sich, "heilfroh" gewesen zu sein, als 1976 weiter ausgebaut werden konnte.

Ebenso freute sich die damals in Aesch tätige Bibliothekarin Ursula Regazzoni, Mitte der 80 er Jahre aus einem Schulzimmer in die heutige Bibliothek im Untergeschoss des Pflege- und Altersheims Zollingerheim ziehen zu dürfen.

Auf 165 Quadratmetern präsentiert sich heute die Bibliothek im Schulhaus Leeacher in Ebmatingen als die grosszügigste der drei Bibliotheken.

Von den Behörden finanzierter Dienstleistungsbetrieb

Die Gemeinde- und Schulbibliothek Maur ist heute direkt der Schulgemeinde unterstellt. Sie wird zu gleichen Teilen durch die Politische Gemeinde und die Schulgemeinde finanziert. Der Erlös aus den Einnahmen der Jahresgebühren deckt nur einen Bruchteil der heutigen Kosten. Das Sortiment und die Bedürfnisse der Kunden haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Standen früher ausschliesslich Bücher und später auch Tonkassetten zur Verfügung, sind heute Videos, DVD, CD und CD-ROM nicht mehr wegzudenkende Renner. Die drei im Team zusammenarbeitenden Bibliothekarinnen Barbara Benke aus Aesch, Cornelia Weber aus Ebmatingen und Brigitte Lüem aus Maur sind sich einig, dass heute auch kleinere Bibliotheken nicht mehr darum herumkommen, ihr Angebot den Kundenbedürfnissen anzupassen.

Suzanne Lüthi (2002)